
Unternehmensnachfolge ist weit mehr als die Übergabe von Eigentum oder Verantwortung. Sie ist ein Veränderungsprozess, der Menschen, Beziehungen, Werte und Unternehmenskultur gleichermaßen betrifft. Mit dieser Erkenntnis beschäftigten sich die Teilnehmenden unserer potential.werkstatt | starke.nachfolge: Werte bewahren. Zukunft gestalten. am 17. Juni 2026.
Gemeinsam mit René Keckstein, Geschäftsführer der WertePlusPartner Mittelstandsberatung GmbH, wurde deutlich, dass erfolgreiche Nachfolge nicht an einem bestimmten Stichtag stattfindet, sondern ein mehrjähriger Prozess ist. Idealerweise beginnt die Vorbereitung bereits drei bis fünf Jahre vor der eigentlichen Übergabe und wirkt noch lange danach nach. Aktuelle Entwicklungen zeigen dabei, dass viele Unternehmerinnen und Unternehmer vor ähnlichen Herausforderungen stehen: die Suche nach geeigneten Nachfolgern, eine rechtzeitige Vorbereitung, Ermittlung eines marktgerechten Kaufpreises sowie die emotionale Aufgabe, das eigene Lebenswerk loszulassen.
Neben dem Prozess bis zu einer Übergabe des Unternehmens bildeten die oft übersehenen „unsichtbaren“ Faktoren der Nachfolge einen bewussten Schwerpunkt der Veranstaltung. Während Themen wie Finanzierung, Steuern oder Vertragsgestaltung selbstverständlich wichtig sind, entscheiden häufig Vertrauen, Unternehmenskultur, Loyalität der Mitarbeitenden, gewachsene Kundenbeziehungen oder Kommunikationsstrukturen über den langfristigen Erfolg einer Übergabe. Denn nicht alle Risiken und Chancen einer Nachfolge lassen sich in einer Bilanz abbilden.
Besonders intensiv diskutierten die Teilnehmenden die Vielzahl der beteiligten Akteure. Neben Übergeber und Nachfolger prägen auch Mitarbeitende, Führungskräfte, Familienangehörige, Kunden, Lieferanten, Kreditinstitute und weitere Partner den Nachfolgeprozess. Jede dieser Gruppen bringt eigene Erwartungen und Bedürfnisse mit. Transparente Kommunikation und die bewusste Einbindung aller Beteiligten wurden deshalb als zentrale Erfolgsfaktoren identifiziert.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Frage, wie neue Führungspersönlichkeiten bestehende Organisationen verändern. René Keckstein zeigte anhand praxisnaher Beispiele, dass Herausforderungen häufig nicht aus mangelnder Kompetenz entstehen, sondern aus unterschiedlichen Führungslogiken. Während ein Übergeber beispielsweise intuitiv und entscheidungsstark agiert, bringt ein Nachfolger möglicherweise einen stärker strukturierten, analytischen und partizipativen Führungsstil mit. Beide Ansätze können erfolgreich sein – entscheidend ist jedoch, Unterschiede sichtbar zu machen und offen darüber zu sprechen. Nicht die Unterschiedlichkeit selbst ist das Risiko, sondern fehlende Transparenz und gegenseitiges Verständnis.
Große Aufmerksamkeit erhielt zudem das Thema Unternehmenskultur. Gemeinsam wurde reflektiert, wie Werte, Gewohnheiten und ungeschriebene Regeln den Alltag eines Unternehmens prägen. Gerade in Familienunternehmen treffen im Nachfolgeprozess häufig unterschiedliche Vorstellungen von Führung und Zusammenarbeit aufeinander. Die Teilnehmenden waren sich einig: Erfolgreiche Nachfolge bedeutet nicht, Bewährtes aufzugeben, sondern gewachsene Werte und Erfahrungen mit neuen Impulsen für die Zukunft zu verbinden.
Wie bei jeder potential.werkstatt stand auch diesmal der Austausch auf Augenhöhe im Mittelpunkt. Die Offenheit der Gespräche und die unterschiedlichen Perspektiven machten deutlich, wie wertvoll es ist, Erfahrungen zu teilen und voneinander zu lernen.
Unser Fazit: Unternehmensnachfolge ist weit mehr als ein wirtschaftlicher oder rechtlicher Vorgang. Wer neben den sichtbaren auch die kulturellen und zwischenmenschlichen Aspekte in den Blick nimmt, schafft die Grundlage dafür, Werte zu bewahren und gleichzeitig Zukunft aktiv zu gestalten.
Vielen Dank an alle Teilnehmenden sowie an René Keckstein für die wertvollen Impulse und den offenen Austausch.